Die Untergrundstadt Kaymaklı

Geografisch unter der unscheinbaren Ortschaft Kaymaklı erstreckt sich eines der erstaunlichsten baulichen Weltwunder der Menschheit. Die Untergrundstadt reicht über acht Stockwerke in die Tiefe, von denen vier für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Historisch wurden diese monumentalen Anlagen ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. von den Phrygern begonnen und in byzantinischer Zeit massiv erweitert, um der gesamten oberirdischen Bevölkerung inklusive ihres Viehs bei arabischen und persischen Einfällen als monatelanger Zufluchtsort zu dienen.

Die Gänge sind so eng und niedrig, dass man sich oft nur in gebückter Haltung vorwärtsbewegen kann; die Luft ist überraschend kühl, trocken und riecht intensiv nach feuchtem Gestein. Man passiert gigantische, kreisrunde Rollsteine (Millstones), die im Verteidigungsfall von innen über clevere Hebelmechanismen vor die Gänge gerollt werden konnten, um Angreifer unweigerlich zu stoppen.

Tiefe, vertikale Lüftungsschächte sorgen bis heute für eine perfekte Sauerstoffzirkulation bis in die untersten Ebenen. Unterirdische Ställe mit futtertrogähnlichen Aussparungen im Fels, kleine Kapellen und gigantische, mit Tonsiegeln versehene Weindepots zeugen von der logistischen Meisterleistung dieser klaustrophobischen Fluchtwelt.