Bananen in Anamur

Anamur ist der südlichste Ort der Türkei und berühmt für seine Bananen. Während früher an weiten Teilen der Türkischen Mittelmeerküste Bananen angebaut wurden, sind heute viele Plantagen verschwunden.

Auch in bekannten Touristenorten wie Alanya war der Bananenanbau einst eine wichtige Einnahmequelle, die Gärten sind jedoch bereits vor vielen Jahren den zahlreichen Hotelanlagen gewichen. Ich erinnere mich wie ich 1986 in dem damals noch dörflichen Alanya einige Zeit bei einem Bananenbauern wohnte, dessen mächtige Stauden neben seinem Haus hochragten.

Östlich von Alanya und den Touristenhochburgen liegt Anamur. Mittlerweile ist auch dieser Ort vom Tourismus geprägt, vor allem um die Schiffsanlegestelle Iskele gibt es Strände und Appartments. Anamur und seine Nachbarorte sind überwiegend Urlaubsziel türkischer Familien. Da der Ort über 4 Stunden Busfahrt vom Flughafen Antalya entfernt liegt, finden nur wenige europäische Touristen den Weg nach Anamur.

Außerhalb des Zentrums, vor allem nahe der alten Kreuzritterburg Mamure Kalesi, die an der Hauptstraße nach Osten in Richtung Silifke und Mersin liegt, gibt es noch ruhige Plätze und ein wenig dörfliches Leben am Mittelmeer.

Nach einigen anstrengenden Reisen und dem lauten Großstadtleben in Konya, bin ich im Juni 2006 für ein paar Tage nach Anamur gefahren. Von Konya fährt ein Überlandbus in Richtung Karaman über Mut und das Taurus-Gebirge durch Gülnar, wo man in der Umgebung einen vergrabenen Schatz Alexander des Großen vermutet. Die Straße windet sich in vielen Kurven bis ans Mittelmeer.

Nach einer Nacht im Bus erreiche ich früh morgens um 6 Uhr Anamur. Die Wolken hängen um diese Zeit tief über den Bergen am Meer, doch sie verziehen sich langsam. Ein Fischer kommt mit seinem Boot an Land, während das Licht auf die Mamure Kalesi fällt, eine mächtige Burganlage, die zu Zeiten der Kreuzzüge als Lazarett für die in blutigen Kämpfen geschundenen Ritter aus dem Heiligen Land diente.

An diesem Morgen wirkt alles sehr friedlich, der salzige Geruch des Meeres, die sanften Wellen, die die Steine am Ufer umspülen und die sich langsam belebende Szenerie um die nahegelegenen Bauernhäuser. Ich esse Gözleme in einem einsam am Meer gelegenen Lokal, ein gerollter Teig mit Schafskäse und trinke dazu Schwarzen Tee, während ich auf das Meer hinausschaue. Nach dem Frühstück finde ich ein Quartier im familiär geführten “Dragon Motel” gleich neben der Burg, wo man kleine, nett eingerichte Holzhäuser mieten kann.

Auf der anderen Seite der Strasse, die parallel zum Mittelmeer verläuft, stehen viele Gewächshäuser und kleine Bauernhäuser von Gärten umgeben. Vor allem Bananen, aber auch Erdbeerfelder und Tomatenpflanzen sind hier zu finden. Doch nicht jeder, der hier Bananen anbaut, war sein Leben lang Bauer. Immer mehr Großstädter zieht es an die Mittelmeerküste, vor allem nachdem sie in Rente sind.

Ein paar Tage später sitze ich mit Tahsin Karaçıkay und seiner Frau Adile auf der Veranda ihres Hauses. Die beiden haben am Gericht in Ankara gearbeitet und sind jetzt Rentner. Da sie beide aus Anamur stammen, sind sie hierher zurückgekehrt und geniessen nun ihren Ruhestand mit Blick aufs Meer.

Tahsin ist Bananenbauer geworden und nicht ohne Stolz zeigt er sein Erdbeerfeld und anschliesssend sein großes Gewächshaus, in dem die Bananenstauden bis an die Decke ragen. “Bananen brauchen eine warme Umgebung”, sagt Tahsin Karaçıkay: “beim Anbau im Gewächshaus ist die Ernte um rund 200 Prozent ertragreicher.”

Neben den großen Stauden hat er auch junge Pflanzen. “Die Bananenstauden beginnen jetzt im Juni Früchte zu tragen”, erklärt er und zeigt auf die ersten grünen Bananen in der Mitte der Zweige. “Bis August werden sie reifen. Im Winter wird der Baum beschnitten, bis auf die Wurzel, aus der kommt der Sämling für das nächste Jahr.”

Das Gewächshaus sollte 7 bis 8 Meter hoch sein, erfahre ich, damit die Bananenstauden genug Platz und Luft haben, um sich zu entwickeln und reiche Früchte zu tragen. Manche Stauden in Anamur sollen bis zu 100 kg Bananen bringen. Teils werden Chemikalien gegen die Rote Spinne eingesetzt, für die Wachstumsförderung der jungen Pflanzen verwendet man Naturdünger. “Wenn die Bananen herauskommen, machen sie besondere Geräusche”, sagt Tahsin “ich höre das sehr gerne.”

Während die Bananen noch reifen und ein paar Monate später zu jenen kleinen schmackhaften türkischen Bananen werden, sammelt ein Nachbarsmädchen ein paar Erdbeeren auf dem nahen Feld.

Tahsin und seine Frau Adile sind hier glücklich, nach vielen Jahren Leben und Arbeiten in der Großstadt Ankara verbringen sie jetzt hier ihren Lebensabend zwischen Bananen-Gewächshaus, Erdbeergarten und in ihrem kleinen Haus, wo sie gerne auf der Veranda sitzen und auf ihre schönen Blumen im Garten schauen, während nicht weit entfernt das Mittelmeer rauscht und sich allabendlich der Himmel in den schönsten Farben färbt.

Das könnte dich auch interessieren...