Tunnel im Bosporus – Das Marmaray-Projekt

Bosporus in Istanbul

Zum 90. Jahrestag der Gründung der Republik Türkei wurde in Istanbul der als “Jahrhundertprojekt” bezeichnete Marmaray-Tunnel zwischen Europa und Asien eingeweiht.

Nach über 9 Jahren Bauzeit soll der Tunnel in 56 Meter Tiefe im Bosporus zunächst für die S-Bahn, ab 2015 auch für Fernzüge in Betrieb gehen. Bis zu 75000 Passagiere sollen dann pro Stunde befördert werden können.

Das Marmaray-Projekt

“Marmaray” ist die Bezeichnung für ein gigantisches Projekt, bei dem ein Tunnel für den Schienenverkehr unter dem Bosporus und Teilen Istanbuls verläuft.

Der Eisenbahntunnel musste erdbebensicher gebaut werden und liegt über einer Länge von 1,4 Kilometern in 56 Meter Tiefe auf dem Grund des Bosporus. Dazu wurden vorgefertigte Tunnelelemente mit riesigen Kränen in den Bosporus herabgelassen und vor Ort zusammengefügt.

In Yenikapı am Marmara-Meer, Sirkeci am Bosporus nahe dem Goldenen Horn und in Üsküdar auf der asiatischen Seite Istanbuls wurden neue unterirdische Stationen gebaut. Zusätzlich entstehen weitere oberirdische Stationen entlang der Strecke zwischen Gebze auf der asiatischen Seite und Halkalı auf der europäischen Seite Istanbuls.

Die Idee für einen Tunnel entstand im Jahr 1860

Schon vor 150 Jahren dachte man über einen Tunnel unter dem Bosporus nach, doch die technischen Möglichkeiten waren zu jener Zeit begrenzt, auch erweiterte Ideen um die Jahrhundertwende 1900 wurden letztendlich verworfen. Da sich in den letzten 30 Jahren der Verkehr in Istanbul zunehmend problematisch entwickelte, wurden neue Pläne gemacht, die Ende der 1990er Jahre zu einer Entscheidung für das Projekt führten. Die Baukosten für das Marmaray-Projekt betragen ca. 2,5 Milliarden Euro.

Bisher gab es die Möglichkeit mit der Personenfähre oder mit der Autofähre von der asiatischen Seite Istanbuls zur europäischen Seite überzusetzen bzw. in die umgekehrte Richtung den Bosporus zu überqueren. Alternativ kann man mit dem Auto über eine der beiden Bosporus-Brücken zu fahren. Das Marmaray-Projekt verzögerte sich mehrmals, da bei den Bauarbeiten in Yenikapı am Marmarameer Teile des alten byzantinischen Hafens aus dem 4. Jahrhundert gefunden wurden.

Grosse Herausforderungen für das Jahrhundertprojekt

Eine große Herausforderung bei der Umsetzung des Projekts lag im Umgang mit der starken, unkalkulierbaren und damit gefährlichen Strömung des Bosporus, die schon zu vielen Schiffsunfällen geführt hat. In den oberen Wasserschichten des Bosporus fließt das Wasser von Norden nach Süden, während es in tieferen Wasserschichten von Süden nach Norden fließt. Ein anderes Problem stellte die Erdbebensicherheit dar. Ständig ereignen sich kleine, kaum wahrnehmbare Erdbeben, denn nur etwa 15 Kilometer entfernt verläuft die so genannte Nordanatolische Falte, wo die Afrikanische Kontinentalplatte auf die Anatolische Platte trifft.

Durch den neuen Tunnel wird die Fahrzeit zwischen Europa und Asien erheblich verkürzt, so soll lt. Medienberichten die Fahrt zwischen Sirkeci auf der europäischen Seite und Üsküdar auf der asiatischen Seite Istanbuls nur noch 4 Minuten betragen. Die Fahrpreise werden wie derzeit bei anderen öffentlichen Verkehrsmitteln knapp 2 TL betragen.

Weitere Informationen zum Marmaray-Projekt:

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