Mevlana Celaleddin Rumi – Mystischer Glaube, Liebe und Toleranz

Die zentralanatolische Stadt Konya wird jährlich von 1,5 Millionen Pilgern aufgesucht, die das Mausoleum des bedeutenden muslimischen Mystikers Mevlana Celaleddin Rumi besuchen, der im 13. Jahrhundert in Konya lebte und lehrte.

Bis heute sind die philosophischen Gedanken Mevlanas, die im “Mesnevi” und “Divan-i Kebir” sowie in weiteren Schriftsammlungen als wunderschöne poetische Verse in persischer Sprache erhalten sind, für viele Menschen, nicht nur muslimischen Glaubens von besonderer Bedeutung.

Zentrales Thema von Mevlanas Lehre ist die Liebe, die er als hauptsächliche Kraft des Universums betrachtete. Da durch die Liebe Gottes das Universum überhaupt existiere, müsse der Mensch lernen Gott zu lieben und somit würde er auch alles lieben lernen, was von Gott erschaffen wurde, also seine Mitmenschen, die Natur und alle Dinge.

Für die Liebenden Gottes ist Gott allein die Quelle von Leid und Freude. Er ist der Lohn ihrer Arbeit und wirklicher Reichtum.

(Aus dem Mesnevi von Mevlana Celaleddin Rumi)

Unter den rund 1,5 Millionen jährlichen Besuchern und Pilgern, die das Museum und Mausoleum Celaleddin Rumis in Konya aufsuchen, sind etwa 200000 ausländische Besucher.

Vor allem aus allen Regionen der Türkei und auch aus dem Iran, wo Mevlana sehr verehrt wird sowie anderen Teilen der Welt suchen Menschen das Grab des Mystikers auf, um in seiner Nähe so genannte “Dua” (Bittgebete) zu sprechen.

Nach dem Tode Mevlanas im Jahre 1273 hatten seine Anhänger ein Mausoleum errichtet, über dem heute die Kubbe-i Hadra (Grüne Kuppel) ragt, die zum Wahrzeichen Konyas geworden ist.

So fand der Mystiker im damaligen Rosengarten des Seldschukenpalastes, wo man bereits seinen Vater bestattet hatte, seine letzte Ruhe.

Später kamen insgesamt 55 weitere verstorbene Familienmitglieder hinzu, darunter direkt neben Mevlana sein Sohn Sultan Veled, aber auch Weggefährten unter den Derwischen wie Selaheddin Zerkub und Hüsamedin Çelebi.

Es entstand nach und nach die so genannte Tekke, ein Versammlungs-, Studien- und Wohnort der Derwische, die sich zu meditativen Praktiken in kleine Zellen zurückzogen.

Mevlana Celaleddin Rumi, der im Jahr 1207 in Balkh in der damals persischen Region Horasan im Gebiet des heutigen Afghanistan geboren wurde und dessen Vater der geachtete Gelehrte Bahaeddin Veled war, gelangte aufgrund der bevorstehenden Mongoleninvasion mit seiner Familie über Umwege erst nach Karaman und schließlich 1228 nach Konya, der Hauptstadt der Rum-Seldschuken unter dem mächtigen Sultan Alaaddin Keykubat.

Nach dem Tode des Vaters wurde er in Konya ein geachteter theologischer Gelehrter. Erst die Begegnung mit Şemseddin Täbrisi, einem Wanderderwisch der Kalender, den er im Jahre 1244 in Konya traf und zu dem Rumi eine besondere freundschaftliche Beziehung hatte, brachte ihn auf den mystischen Weg.

Der Sufi-Derwischorden der Mevlevis, der sich nach Mevlanas Ableben gebildet hatte, erlangte in der Zeit der türkischen Seldschuken und im Osmanischen Reich großen Einfluß, wurde jedoch nach Entstehung der Republik Türkei Anfang des 20. Jahrhunderts aufgelöst.

Heute existieren in vielen Ländern der Welt kleine Gruppen, die sich mit der Gedankenwelt Mevlanas beschäftigen und teilweise die mystischen Praktiken fortführen, wie das “Zikr” (Gottesgedenken) und den “Sema”.

Das Ritual des Sema, des mystischen Tanzes der sich drehenden Mevlevi-Derwische fand seinen Ursprung in einer Inspiration von Mevlana Celaleddin Rumi, erhielt aber seine Form erst nach seinem Tode.

Begleitet von den Klängen der Rohrflöte “Ney” und anderer Instrumente, dreht sich der Derwisch beim “Sema” wie in Trance um die eigene Achse, eine Hand nach oben und die andere nach unten gewandt, versinnbildlicht er die Menschheit mit ihrer Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Jedes Jahr wird Mevlanas Todestag durch eine Festivalwoche in Konya gedacht, in der neben Konzerten und Ausstellungen auch jeden Abend Aufführungen des mystischen Wirbeltanzes “Sema” im Mevlana-Kulturzentrum zu sehen sind.

Vor allem der 17. Dezember ist in Konya ein besonderer Tag, an dem viele Menschen das Mausoleum Mevlanas besuchen, um gemeinsam Bittgebete (Dua) zu sprechen.

Der Todestag Mevlana Celaleddin Rumis am 17. Dezember 1273 wird als “Şeb-i-Arus”, bezeichnet, was wörtlich übersetzt “Brautnacht” oder “Hochzeitsnacht” bedeutet.

Für die damaligen Bewohner Konyas war der Tod Mevlanas ein einschneidendes Ereignis. Scheich Sadreddin Konevi, ein anderer Mystiker aus Konya, der das letzte Gebet für den verstorbenen Mevlana sprechen sollte, fiel aus Kummer in Ohnmacht.

Zu Rumis Beerdigung kamen neben seinen Anhängern zahlreiche Vertreter aller Volksgruppen und Religionen, darunter auch Christen und Juden.

Trotz des muslimischen Begräbnisses sollen sie weinend aus dem alten und neuen Testament rezitiert haben und den Charakter Mevlanas als ebenbürtig mit Moses und Jesus beschrieben haben.

Mevlana Celaleddin Rumi selbst hatte den Tod wie typisch für die Sufis als “Hochzeit” bezeichnet, eine Art noch intensivere geistige Vereinigung mit Gott. Im Divan ist folgende Aussage enthalten:

Wenn du meine Beerdigung siehst, sage nicht: Was für eine Trennung.

Es ist Zeit für mich den Geliebten zu treffen.

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